Partnerschaft mit Galbiate

Der Fraktionsvorsitzende der Bürgervereinigung Walluf in der Wallufer Gemeindevertretung meint

Zur jüngsten Partnerschaft mit der Gemeinde Galbiate, Lombardei, Italien

Der Begriff der Städtepartnerschaft umfasst auch Partnerschaften von Kreisen oder – wie in unserem Fall – Gemeinden. Darunter werden förmliche, zeitlich und sachlich nicht begrenzte Partnerschaften verstanden, die auf einem Partnerschaftsvertrag beruhen. Partnerschaften auf kommunaler Ebene sollen und wollen einen Beitrag für ein friedliche(re)s Zusammenleben der Völker leisten. Städtepartnerschaften werden daher auch „als größte Friedensbewegung der Welt“ bezeichnet.

Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg luden vor allem Städte in den angelsächsischen Staaten Kanada, Vereinigtes Königreich und Vereinigte Staaten von Amerika deutsche kommunale Vertreter zu sich ein, um ihnen einen Einblick in eine auf demokratischer Grundlage funktionierende Kommunalverwaltung zu gewähren. Daraus entstand schon 1947 eine Partnerschaft zwischen den Universitätsstädten Oxford und Bonn.

Die meisten deutschen Städtepartnerschaften (über 2.300) bestehen aber mit französischen Gemeinden. Das ist so gut wie es erstaunlich ist, denn es bestand eine jahrhundertealte Rivalität zwischen den beiden Staaten. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 wurde das deutsche Kaiserreich in einem für Frankreich demütigenden Akt in Versailles proklamiert. 1905 verfasste die deutsche Generalität erneut Pläne für einen Vormarsch gen Westen (Schlieffen-Plan, auf den u. a. die Hindenburgbrücke Rüdesheim – Bingen zurückgeht). Keine zehn Jahre später, zwischen 1914 und 1918, sowie zwischen 1940 und 1945 führten beide Völker wieder verheerende Kriege mit Millionen Toten. Eine Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich schien nach 1945 vielen Zeitgenossen unvorstellbar.

Doch mit dem Élysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 wurde ein Grundstein für die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland und damit für einen lange anhaltenden Frieden in Europa gelegt.

Diesem Gedanken folgte die schon 1965 geschlossene Partnerschaft zwischen La Londe les Maures und Walluf, die zu den Vorläufern der deutsch-französischen Freundschaft gezählt wird. Seit 2001 ist La Londe zusätzlich mit Galbiate „verschwistert“ und seit dem 1. August 2026 sind nun auch Galbiate und Walluf eine Partnerschaft eingegangen – ein perfektes Dreieck.

Das bürgerschaftliche Engagement wird hier jeweils getragen vom
Deutsch-Französisches Komitee Walluf e. V., Walluf, und vom
Amici Deutsch-Italienisches Freundschaftskomitee Walluf-Galbiate e. V., Walluf.

Als Haushälter kann man Städtepartnerschaften kritisch sehen, die Verabschiedung des jüngsten Doppelhaushalts hat uns gerade Grenzen und keine Spielräume aufgezeigt. Städtepartnerschaften zählen nicht zum Pflichtenheft einer Gemeinde, sie kosten Geld, Zeit und Überstunden, die für andere Aufgaben fehlen.

Wenn sie aber von vielen Bürgern mit Leben gefüllt werden, die die Idee eines friedlichen und einigen Europas als Gastgeber hier oder Gäste in den Partnergemeinden voranbringen, dann sind sie es wert. Das hat das zurückliegende erste August-Wochenende mit italienischen und französischen Gästen in Walluf gezeigt. Künftige Sport-, Kultur-, weinbezogene und Schüleraustausche können davon profitieren. Übrigens: Sprachbarrieren können dank Übersetzungsprogrammen auf smartphones schnell überwunden werden. Zur Not gibt’s noch Englisch und „Hände und Füße“.

Zum Abschiedsfrühstück im Weingarten am Leinpfad hat die Bürgervereinigung Walluf in Zusammenarbeit mit dem Weingut Becker den Sektempfang gerne beigesteuert.

Arrivederci e a presto!
Au revoir et à plus tard!

Richard Reuter.

Quellen:

https://www.ville-lalondelesmaures.fr/votre-mairie/jumelage.html
https://www.comune.galbiate.lc.it/it-it/vivere-il-comune/rubriche/il-gemellaggio-con-londe-les-maures-3015-1-790e9184194143bb4b3cc44cc031b4aa
https://dfk-walluf.de
https://www.facebook.com/groups/724019010775338/posts/892090937301477
https://www.lpb-bw.de/elysee-vertrag
https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/handwoerterbuch-politisches-system/202141/staedtepartnerschaften